NARM® – DAS NEUROAFFEKTIVE BEZIEHUNGSMODELL
IN WIEN & ONLINE

Arbeit mit Entwicklungstrauma, frühen Anpassungen und Beziehungsmustern

„Je mehr wir uns erlauben, vollständig zu erfahren, wer wir sind, desto größer ist die Möglichkeit zur Veränderung.“

Dr. Laurence Heller

BEZIEHUNGSORIENTIERT

PROZESSORIENTIERT

KÖRPERORIENTIERT

Unsere frühesten Beziehungen prägen nicht nur, wie wir anderen Menschen begegnen. Sie beeinflussen auch, wie wir lernen, in Beziehung wir selbst zu sein. Ob unsere Bedürfnisse, Gefühle, Grenzen und Impulse Raum haben durften – und wie die Menschen um uns darauf reagiert haben –, kann bis weit ins Erwachsenenleben nachwirken.

NARM® – Das Neuroaffektive Beziehungsmodell setzt genau dort an. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, was mit dir nicht stimmt, sondern wie früh entstandene Schutz- und Beziehungsmuster heute weiterwirken – und wie wieder mehr Wahlfreiheit, Selbstkontakt und echte Verbindung möglich werden können.

NARM® und Entwicklungstrauma

NARM® – Das Neuroaffektive Beziehungsmodell wurde von Dr. Laurence Heller für die Arbeit mit Entwicklungstrauma und den damit verbundenen frühen Anpassungs- und Beziehungsmustern entwickelt.

Anders als ein Schocktrauma entsteht Entwicklungstrauma meist nicht durch ein einzelnes überwältigendes Ereignis. Es entwickelt sich über einen längeren Zeitraum innerhalb früher Beziehungen – durch anhaltend schwierige Erfahrungen, aber auch durch das, was ein Kind gebraucht hätte und nicht ausreichend bekommen hat.

Kinder sind auf die Menschen in ihrer Umgebung angewiesen. Sie können belastende Bedingungen nicht einfach verlassen oder grundlegend verändern. Wenn Schutz, Zuwendung, Verlässlichkeit oder Raum für die eigenen Bedürfnisse fehlen, entwickeln sie Wege, Verbindung und Zugehörigkeit dennoch zu erhalten. Vielleicht stellen sie eigene Bedürfnisse zurück, passen sich stark an, ziehen sich innerlich zurück oder lernen, bestimmte Gefühle, Impulse und Seiten ihrer Persönlichkeit nicht mehr zu zeigen.

Diese Anpassungen waren keine Fehlentwicklung. Sie waren intelligente und häufig notwendige Antworten auf die damaligen Bedingungen. Was in der Kindheit Schutz, Nähe oder Zugehörigkeit ermöglicht hat, kann später jedoch einschränken, wie wir uns selbst erleben, mit unseren Bedürfnissen und Gefühlen umgehen und Beziehungen gestalten.

Entwicklungstrauma zeigt sich deshalb häufig weniger in einzelnen Erinnerungen als in vertrauten Reaktionen: im Selbstbild, in körperlichen Reaktionen und in der Art, wie wir Nähe, Grenzen, Abhängigkeit und Autonomie erleben. Früh entstandene Muster können sich selbstverständlich anfühlen – auch wenn sie heute verhindern, dass wir unserem gegenwärtigen Erleben entsprechend handeln.

Wie arbeiten wir mit NARM®?

NARM® arbeitet mit dem, was sich in der Gegenwart zeigt. Deine Geschichte ist dabei bedeutsam, muss jedoch nicht bis ins Detail rekonstruiert oder erneut durchlebt werden. Stattdessen erkunden wir, wie früh entstandene Muster heute in deinen Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen, Beziehungen und in deinem Kontakt mit dir selbst wirksam werden.

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist das, was du dir für dich wünschst. Wir beginnen nicht mit einer von außen festgelegten Vorstellung davon, was sich verändern sollte, sondern mit deiner eigenen Intention. Dabei achten wir sowohl auf das, was dich darin unterstützt, als auch auf innere Konflikte und Schutzmuster, die deinem Wunsch möglicherweise entgegenstehen.

Elemente der Arbeit können sein:

  • Im Hier und Jetzt arbeiten: Wir erforschen, wie sich ein Muster gegenwärtig zeigt, anstatt ausschließlich danach zu suchen, warum es entstanden ist.

  • Ressourcen einbeziehen: Neben Schwierigkeiten und Schutzmustern richten wir die Aufmerksamkeit auch auf deine Fähigkeiten, Stärken und das, was bereits mehr Verbindung und Wahlfreiheit ermöglicht.

  • Verstehen und Erleben verbinden (Top-down und Bottom-up): Gedanken und Erkenntnisse werden mit Gefühlen, Körperempfindungen und Reaktionen des Nervensystems in Beziehung gebracht.

  • Körperliche und emotionale Reaktionen wahrnehmen: Empfindungen, Gefühle und innere Veränderungen werden achtsam bemerkt, ohne sie zu forcieren oder vorschnell verändern zu wollen.

  • Containment statt Katharsis: Es geht nicht darum, möglichst intensive Gefühle oder emotionale Entladung zu forcieren, sondern darum, mit dem, was auftaucht, in Kontakt bleiben zu können, ohne davon überwältigt zu werden.

  • Erkundende Fragen stellen: Wir begegnen Gedanken, Überzeugungen, Gefühlen und Verhaltensweisen mit Neugier, ohne bereits im Voraus festzulegen, was sie bedeuten.

  • Verbindung und Unterbrechung wahrnehmen: Wir achten auf Momente, in denen du dich dir selbst oder einem anderen Menschen näher fühlst – und darauf, wie dieser Kontakt eingeschränkt oder unterbrochen wird.

  • Identitätsmuster erforschen: Wir untersuchen, welche Vorstellungen darüber entstanden sind, wer du sein musst, um sicher, angenommen oder in Beziehung zu bleiben.

  • Selbstwirksamkeit und Wahlfreiheit stärken: Du kannst deutlicher erleben, dass du heute Einfluss nehmen, Entscheidungen treffen und vertrauten Situationen anders begegnen kannst.

  • Mit dem Kerndilemma arbeiten: Wir erforschen die Spannung zwischen dem Wunsch, mit dir selbst verbunden zu sein, und dem Bedürfnis, die Verbindung zu anderen Menschen zu bewahren.

Was kann sich verändern?

  • Mehr mit dir selbst in Kontakt kommen. Eigene Gefühle, Körperempfindungen und innere Reaktionen deutlicher wahrnehmen, ohne von ihnen überwältigt zu werden oder dich von ihnen abschneiden zu müssen.

  • Eigene Bedürfnisse und Grenzen besser erkennen und ausdrücken. Klarer spüren, was du möchtest, was dir guttut und wo du Nein sagen oder für dich einstehen willst.

  • Weniger automatisch auf andere ausgerichtet sein. Nicht mehr ausschließlich danach handeln, was andere erwarten oder brauchen, sondern auch den eigenen Standpunkt, die eigenen Wünsche und Impulse ernst nehmen.

  • In Beziehungen mehr du selbst bleiben. Nähe und Verbindung erleben, ohne dich dafür übermäßig anpassen, zurücknehmen oder wichtige Seiten von dir verbergen zu müssen.

  • Unterstützung leichter annehmen. Dich anderen anvertrauen und auf Menschen verlassen können, ohne dabei deine Selbstständigkeit oder innere Sicherheit zu verlieren.

  • Mehr Wahlfreiheit in vertrauten Beziehungsmustern entwickeln. Automatische Reaktionen früher bemerken und zunehmend entscheiden können, wie du heute handeln und in Beziehung sein möchtest.

  • Scham und Selbstkritik verlieren an Einfluss. Du kannst früh entstandene Überzeugungen über dich selbst hinterfragen und dir mit mehr Verständnis und Freundlichkeit begegnen.

  • Nähe, Lebendigkeit und Intimität stärker miteinander verbinden. Emotionale Verbundenheit, Sinnlichkeit und Sexualität weniger als widersprüchlich oder bedrohlich erleben und darin mehr Präsenz und eigenen Ausdruck entwickeln.

DIE FÜNF NARM®-Überlebensstile

Im NARM® stehen fünf grundlegende Entwicklungsbereiche im Mittelpunkt. Jeder von ihnen ist mit einem menschlichen Grundbedürfnis und einer Fähigkeit verbunden, die sich im Laufe unserer Entwicklung entfaltet.

Die damit verbundenen Überlebensstrukturen sind keine festgelegten Persönlichkeitstypen oder Diagnosen. Sie beschreiben unterschiedliche Formen der Anpassung – und die meisten Menschen erkennen sich in Anteilen mehrerer Bereiche wieder.

  • 1

    Kontakt
    Die Fähigkeit, im eigenen Körper präsent, mit sich selbst verbunden und mit anderen in Kontakt zu sein. War Verbindung nicht ausreichend sicher oder verfügbar, können innerer Rückzug und das Abtrennen von Körperempfindungen oder Gefühlen zu einem wichtigen Schutz werden.

  • 2

    Einstimmung
    Die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Musste ein Kind die Aufmerksamkeit früh stark auf andere richten, kann es später sein, die Bedürfnisse der anderen vor die eigenen zu stellen.

  • 3

    Vertrauen
    Die Fähigkeit, sich auf andere Menschen zu verlassen, Unterstützung anzunehmen und eine gesunde wechselseitige Abhängigkeit zu erleben. War Verlässlichkeit nicht gegeben, können starke Selbstständigkeit, Kontrolle und Schwierigkeiten, sich verletzlich zu zeigen, Schutz bieten.

  • 4

    Autonomie
    Die Fähigkeit, eigene Grenzen, Wünsche und Standpunkte zu erleben und auszudrücken, ohne dadurch die Verbindung zu anderen zu verlieren. Waren ein Nein oder der eigene Wille mit Ablehnung oder Beziehungsverlust verbunden, kann Anpassung zur sichereren Möglichkeit werden.

  • 5

    Liebe und Sexualität
    Die Fähigkeit, emotionale Nähe, Liebe, Sinnlichkeit und Sexualität miteinander zu verbinden. Waren diese Erfahrungen mit Scham, Zurückweisung oder widersprüchlichen Botschaften verbunden, können sich emotionale Verbundenheit und sexueller Ausdruck voneinander trennen.

Das Kerndilemma

Im Zentrum von NARM® steht eine zutiefst menschliche Entwicklungsfrage:

Wie kann ich mit anderen in Verbindung sein und dabei mit mir selbst verbunden bleiben?

Als Kinder sind wir vollständig auf andere Menschen angewiesen. Gleichzeitig entwickeln wir nach und nach ein eigenes Erleben – mit persönlichen Bedürfnissen, Gefühlen, Grenzen, Impulsen und einer eigenen Sicht auf die Welt. Selbst in sicheren und liebevollen Beziehungen passen Verbundenheit und Individualität nicht immer reibungslos zusammen.

Wenn ausreichend Sicherheit und Unterstützung vorhanden sind, können wir allmählich erfahren, dass beides möglich ist: Ich darf eigene Bedürfnisse haben und trotzdem verbunden bleiben. Ich kann Nein sagen, ohne dass die Beziehung daran zerbricht. Ich darf anders sein als du und weiterhin dazugehören.

Wenn Verbindung jedoch wiederholt davon abhängt, dass ein Kind wichtige Seiten von sich zurückhält, sich anpasst oder von eigenen Bedürfnissen und Gefühlen trennt, entstehen Schutzstrategien. Das Kind lernt beispielsweise, sich stark an anderen zu orientieren, den eigenen Willen nicht zu zeigen oder Nähe zu vermeiden, um die Beziehung, auf die es angewiesen ist, nicht zu gefährden.

NARM® bezeichnet diese Spannung zwischen der Verbindung mit uns selbst und der Verbindung mit anderen als Kerndilemma. Die Strategien, die ursprünglich Zugehörigkeit und Schutz ermöglicht haben, können bis ins Erwachsenenleben weiterwirken – auch wenn sie heute nicht mehr in derselben Weise notwendig sind.

In der NARM®-Arbeit geht es nicht darum, die Vergangenheit zu bewerten oder Schuldige zu suchen. Wir werden neugierig darauf, wie sich dieses Kerndilemma heute in deinen Beziehungen zeigt – und ob nach und nach mehr Raum dafür entstehen kann, du selbst und zugleich in Verbindung mit anderen zu sein.

NARM® UND ANDERE ANSÄTZE

NARM® kann im Mittelpunkt der Begleitung stehen oder – abhängig von deinem Anliegen – mit anderen körper- und beziehungsorientierten Ansätzen verbunden werden. Wenn sich Belastungen besonders im Körper und im Nervensystem zeigen, ergänze ich die Arbeit häufig durch Somatic Experiencing®.

Mehr über diesen körperorientierten Ansatz erfährst du auf der Seite Somatic Experiencing®. Allgemeine Informationen über Schocktrauma, Entwicklungstrauma und mögliche Folgen findest du auf der Trauma-Seite.

NARM®-BEGLEITUNG IN WIEN & ONLINE

Meine Arbeit als NARM® Master-Practitioner ist körper- und beziehungsorientiert. Ausgangspunkt ist das, was du dir für dich wünschst und was sich gegenwärtig in deinem Erleben und deinen Beziehungen zeigt.

Es geht nicht um ein Nach-vorne-Drängen, sondern um ein In-Kontakt-Kommen – mit dir selbst, deinen Gefühlen und deiner Lebendigkeit.

Die Sitzungen finden in meiner Praxis in Wien oder online statt.