Traumalösung

Trauma

Was geschehen ist – und was gefehlt hat – kann bis heute weiterwirken. Doch es muss nicht bestimmen, wie du weiterlebst.

„Trauma ist eine Tatsache im Leben,
muss aber kein lebenslanges Verhängnis bleiben.“

Peter Levine

Du kannst deinen Alltag bewältigen, Verantwortung tragen und vieles im Griff haben – und trotzdem spüren, dass etwas in dir nicht zur Ruhe kommt.

Trauma ist nicht immer von außen erkennbar.

Schocktrauma und Entwicklungstrauma

Trauma kann durch ein einzelnes überwältigendes Ereignis entstehen oder sich über einen längeren Zeitraum innerhalb früher Beziehungen entwickeln. Beide Formen können im Körper und Nervensystem, im Selbstbild und in Beziehungen weiterwirken.

Nicht allein das Ereignis entscheidet darüber, ob eine Erfahrung traumatisch wirkt. Entscheidend ist, ob sie in diesem Moment die eigenen Möglichkeiten, damit umzugehen, überfordert.

Schocktrauma – wenn ein Ereignis zu viel ist

In einer bedrohlichen Situation reagiert unser Körper, noch bevor wir bewusst darüber nachdenken können. Wir kämpfen, fliehen, erstarren oder schalten innerlich ab. Diese Reaktionen sind keine Schwäche, sondern der Versuch unseres Nervensystems, uns zu schützen.

Ist die Gefahr vorbei, findet der Körper im besten Fall wieder aus diesem Alarmzustand heraus. Manchmal gelingt das nicht vollständig. Etwas bleibt angespannt, wachsam oder wie eingefroren – obwohl das Ereignis längst vorüber ist.

Entwicklungstrauma – wenn frühe Erfahrungen prägen

Ein Entwicklungstrauma entsteht meist nicht durch einen einzelnen Moment. Es entwickelt sich über einen längeren Zeitraum innerhalb früher Beziehungen. Dabei geht es nicht nur darum, was geschehen ist, sondern auch darum, was ein Kind gebraucht hätte und nicht ausreichend bekommen hat.

Fehlen Schutz, Zuwendung und verlässliche Beziehungen, passt sich ein Kind an. Vielleicht lernt es, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, möglichst wenig zu spüren, ständig zu funktionieren oder genau wahrzunehmen, was andere brauchen. Diese Anpassungen waren sinnvoll: Sie halfen dem Kind, Beziehung und Zugehörigkeit zu erhalten und mit einer Situation zurechtzukommen, die es selbst nicht verändern konnte.

Wie beides zusammenwirkt

Frühe Erfahrungen beeinflussen, wie wir später auf Bedrohung oder Überforderung reagieren. Umgekehrt kann ein einzelnes überwältigendes Ereignis bereits bestehende Schutzmuster verstärken. Die Unterscheidung hilft uns zu verstehen, auf welchen Ebenen eine Erfahrung weiterwirkt. Sie legt aber nicht fest, wer ein Mensch ist. Was einmal notwendig war, um sich zu schützen, muss nicht für immer bestimmen, wie wir fühlen, handeln und Beziehungen gestalten.

Wie sich Trauma zeigen kann

  • Innere Unruhe, Nervosität und Schwierigkeiten, sich zu entspannen: Du stehst häufig unter Spannung und findest selbst dann schwer zur Ruhe, wenn gerade keine unmittelbare Belastung besteht.

  • Erschöpfung, ständiges Funktionieren, Leistungsdruck und Perfektionismus: Du machst weiter, versuchst alles richtig zu machen oder die Kontrolle zu behalten – auch wenn du dich längst ausgelaugt fühlst.

  • Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedankenkreisen: Du kannst schlecht abschalten, deine Gedanken kehren immer wieder zu bestimmten Erlebnissen zurück oder begleiten dich bis in die Nacht.

  • Überwältigende Gefühle und starke Reaktionen: Gefühle werden plötzlich sehr intensiv oder kleine Ereignisse werfen dich stärker aus der Bahn, als du es dir selbst erklären kannst.

  • Innere Leere und wenig Zugang zu den eigenen Gefühlen: Du funktionierst eher automatisch oder kannst nur schwer wahrnehmen, was du fühlst und was dich gerade bewegt.

  • Das Gefühl, nicht ganz da zu sein: In belastenden Situationen fühlst du dich weit entfernt von dir, wenig verbunden mit deinem Körper oder abgeschnitten von deinen Empfindungen.

  • Selbstzweifel, Schuldgefühle, Scham und starke Selbstkritik: Du hast häufig das Gefühl, nicht gut genug zu sein, etwas falsch gemacht zu haben oder für Dinge verantwortlich zu sein, die nicht allein bei dir liegen.

  • Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und auszudrücken: Du spürst schnell, was andere brauchen, weißt aber oft nicht, was du selbst möchtest. Nein zu sagen oder dich abzugrenzen fällt dir schwer.

  • Verlustangst, Eifersucht und Angst vor Zurückweisung: Du sorgst dich, verlassen, ersetzt oder nicht mehr geliebt zu werden – auch wenn es dafür im Moment keinen eindeutigen Anlass gibt.

  • Nähe, Distanz, Autonomie und wiederkehrende Beziehungsmuster: Du sehnst dich nach Verbindung und fürchtest gleichzeitig, dich selbst darin zu verlieren. Vielleicht wechselst du zwischen starker Anpassung und Rückzug.

  • Schwierigkeiten mit Sexualität und Intimität: Es fällt dir schwer, bei Berührung oder Sex präsent zu bleiben, Lust zuzulassen oder deine Wünsche und Grenzen deutlich wahrzunehmen.

  • Körperliche Beschwerden und Stressreaktionen ohne klaren Auslöser: Dein Körper reagiert wiederholt mit Druck, Enge, Schmerzen, Verdauungsbeschwerden oder anderen Stresssymptomen – besonders in belastenden Phasen.

Trauma

Welche Erlebnisse können zu einem Trauma führen?

  • Prä- und perinatale Erlebnisse: Geburtstrauma, Sauerstoffmangel, Operationen im frühen Kindesalter
  • Anästhesie, Fieberkrampf, belastende medizinische Eingriffe
  • Beinahe-Ersticken, Beinahe-Ertrinken und Tierangriffe
  • Naturkatastrophen, Krieg, Flucht und Vertreibung
  • Körperliche Verletzungen, Verbrennungen, Vergiftungen
  • Stürze, Unfälle mit starkem Aufprall, Schleudertrauma
  • Verhinderte Flucht, Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit
  • Das Miterleben von Gewalt, Unfällen oder plötzlichen Todesfällen
  • Der plötzliche Verlust eines nahestehenden Menschen
  • Sexualisierte Gewalt wie Vergewaltigung und sexueller Missbrauch
  • Frühe Trennungen von wichtigen Bezugspersonen
  • Frühe Verletzungen in der Familie wie Zurückweisung, Ablehnung, fehlende Sicherheit und übermäßige Kontrolle
  • Emotionale Distanz in der Kindheit, psychische und körperliche Gewalt

Nicht jede dieser Erfahrungen führt automatisch zu einem Trauma. Entscheidend ist, ob eine Situation die eigenen Möglichkeiten, damit umzugehen, in diesem Moment überfordert hat und ob ausreichend Sicherheit und Unterstützung zur Verfügung standen.

„Ein Schocktrauma ist wie ein falschfarbiger Faden in einem sonst gut gewebten Teppich. Zieht man ihn heraus, ist der Teppich immer noch in Ordnung. Bei einem Entwicklungstrauma müsste man so viele Fäden ziehen, dass sich der Teppich in Form und Farbe verändern würde. Durch langanhaltenden Stress prägen sich das gesamte Weltbild und Selbstbild eines Menschen vollkommen anders und tiefgreifender als durch einen Schock.“

Dami Charf

Wie Veränderung möglich wird

Viele Menschen verstehen sehr genau, warum sie auf eine bestimmte Weise reagieren – und erleben trotzdem, dass sich vertraute Muster wiederholen. Schutzreaktionen sind nicht durch bewusstes Nachdenken entstanden und lassen sich deshalb meist auch nicht allein durch Einsicht verändern.

Veränderung wird möglich, wenn zum Verstehen neue Erfahrungen hinzukommen: wenn dein Körper sich nach einer Belastung wieder beruhigen kann, du deine Bedürfnisse und Grenzen früher wahrnimmst oder in Beziehung bleiben kannst, ohne dich selbst dabei zu verlieren.

Dabei geht es nicht darum, Schutzmechanismen möglichst schnell abzulegen oder belastende Erfahrungen erneut zu durchleben. Sicherheit, ein stimmiges Tempo und die Möglichkeit, jederzeit innezuhalten, bilden die Grundlage. So können sich Schritt für Schritt neue Wege entwickeln.

Meine Ansätze in der Trauma-Arbeit

In meiner Arbeit verbinde ich Somatic Experiencing® und NARM®. Dadurch können wir sowohl körperliche Reaktionen und das Nervensystem als auch frühe Anpassungen und Beziehungsmuster einbeziehen.

Somatic Experiencing® unterstützt die Regulation des Nervensystems und richtet den Blick auf körperliche Reaktionen auf überwältigende Erfahrungen ein.

NARM® richtet den Blick besonders auf Entwicklungstrauma, frühe Anpassungen und die Muster, die bis heute beeinflussen, wie wir uns selbst und Beziehungen erleben.

Welche Aspekte im Vordergrund stehen, hängt davon ab, was du mitbringst und was im gemeinsamen Prozess wichtig wird.

Mehr über meinen Ansatz →