Somatic Experiencing® in Wien & online

Das Nervensystem regulieren – dem Körper helfen, das Erlebte zu verarbeiten

„Trauma ist nicht das, was uns passiert, sondern das, was wir in Abwesenheit eines einfühlsamen Zeugen in uns tragen.“

Dr. Peter Levine

KÖRPERORIENTIERT

RESSOURCENORIENTIERT

GEGENWARTSORIENTIERT

Manchmal ist eine überwältigende Erfahrung längst vorbei – und doch reagiert der Körper weiter, als wäre noch immer Schutz notwendig. Diese Reaktionen sind kein Versagen und nichts, was einfach „wegmuss“. Sie zeigen, wie sehr das Nervensystem versucht hat, dich durch eine schwierige Situation hindurchzubringen.

Wenn wir Bedrohung erleben, reagiert das Nervensystem automatisch – noch bevor wir bewusst darüber nachdenken können. Es mobilisiert Energie für Kampf oder Flucht oder schützt uns durch Erstarrung und Abschalten. War eine Situation zu plötzlich, zu schnell oder zu überwältigend, konnten diese Schutzreaktionen möglicherweise nicht vollständig abgeschlossen werden. Der Körper kann dann angespannt oder wachsam bleiben, auf bestimmte Auslöser besonders stark reagieren oder sich eher zurückziehen und abschalten.

Somatic Experiencing® ist ein körperorientierter Ansatz zur Verarbeitung der Folgen von Trauma und überwältigenden Erfahrungen. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit des Nervensystems, wieder flexibler zwischen Aktivierung und Ruhe wechseln zu können. So können nach und nach mehr Sicherheit, Regulation und Lebendigkeit entstehen.

Wie arbeiten wir mit Somatic Experiencing®?

In einer Somatic Experiencing®-Sitzung arbeiten wir mit dem, was im Hier und Jetzt spürbar ist. Es ist nicht notwendig, ein belastendes Ereignis vollständig zu rekonstruieren oder in allen Einzelheiten zu erzählen. Stattdessen richten wir die Aufmerksamkeit darauf, was sich gegenwärtig im Körper und Nervensystem zeigt – etwa eine feine Empfindung, eine Veränderung im Atem, ein Bewegungsimpuls, ein Gefühl oder die Orientierung im Raum.

Elemente der Arbeit können sein:

  • Körperwahrnehmung: Empfindungen und Veränderungen im Nervensystem wahrnehmen und verfolgen

  • Ressourcen: Erfahrungen von Sicherheit, Stabilität und innerer Kraft erkunden und stärken

  • Orientierung: die Umgebung bewusst wahrnehmen und dem Nervensystem ermöglichen, das gegenwärtige Hier und Jetzt zu registrieren

  • Titration: mit kleinen, bewältigbaren Mengen emotionaler oder körperlicher Aktivierung arbeiten

  • Pendulation: zwischen Aktivierung und Regulation beziehungsweise zwischen Belastung und Ressource wechseln

  • Kontakt und Co-Regulation: die unterstützende Beziehung und die Präsenz eines anderen Menschen als Teil der Regulation erfahren

  • Schutzimpulse vervollständigen: Bewegungen nachholen, die in der ursprünglichen Situation nicht möglich waren – etwa weggehen, sich abgrenzen, sich wehren oder „Stopp“ sagen

  • Körperliche Veränderungen beobachten: beispielsweise Zittern, Wärme, Veränderungen im Atem oder spontane tiefere Atemzüge

Wir gehen schrittweise vor und wenden uns nicht sofort dem intensivsten Teil einer Erfahrung zu. So können sich schwierige Empfindungen und Reaktionen zeigen, ohne das Nervensystem erneut zu überwältigen. Unvollendete Schutzreaktionen können sich allmählich vervollständigen. Gleichzeitig kann das Nervensystem wieder mehr Regulation und Flexibilität entwickeln.

Was kann sich verändern?

  • Mehr innere Ruhe und Entspannung: Dein Nervensystem kann lernen, leichter aus anhaltender Anspannung und Alarmbereitschaft herauszufinden.

  • Mehr Selbstregulation: Belastende Gefühle und körperliche Reaktionen können besser wahrgenommen und reguliert werden, ohne dich so schnell zu überwältigen.

  • Mehr Sicherheit im eigenen Körper: Du kannst dich wieder stärker mit deinem Körper verbunden und im gegenwärtigen Moment anwesend fühlen.

  • Körperliche Signale besser verstehen: Empfindungen und Stressreaktionen können früher erkennbar und leichter einzuordnen werden.

  • Mehr Flexibilität zwischen Aktivität und Ruhe: Statt ständig funktionieren zu müssen oder innerlich abzuschalten, kann wieder mehr Beweglichkeit entstehen.

  • Eigene Grenzen und Bedürfnisse deutlicher spüren: Du kannst früher wahrnehmen, was dir guttut, was zu viel wird und wann du eine Pause oder Abgrenzung brauchst.

  • Mehr Stabilität in belastenden Situationen: Herausforderungen können bewältigbarer werden, ohne dass dein Nervensystem sofort in Überforderung gerät.

  • Mehr Lebendigkeit und Handlungsspielraum: Wenn Schutzreaktionen nicht mehr alles bestimmen, entsteht wieder mehr Raum für Präsenz, Spontaneität und Lebensenergie.

Was Somatic Experiencing® besonders macht

Dr. Peter A. Levine, Psychologe und Biophysiker, entwickelte Somatic Experiencing® in den 1970er-Jahren in den USA. Ausgangspunkt war seine Beobachtung, dass Tiere in freier Wildbahn ständig Gefahren ausgesetzt sind und dennoch nur selten langfristig traumatisiert bleiben. Nach einer Bedrohung bauen Tiere die hohe Aktivierung von Kampf oder Flucht auf natürliche Weise wieder ab – etwa durch Zittern, Bewegung oder tiefe Atmung. Auch der menschliche Körper verfügt über solche Regulationsmechanismen. Im Alltag finden diese Reaktionen jedoch nicht immer ausreichend Raum oder werden bewusst oder unbewusst unterbrochen.

Dr. Peter Levine über die Arbeit mit Somatic Experiencing®

Die Bedeutung von Ressourcen

Ressourcen sind alles, was in dir ein Gefühl von Sicherheit, Stabilität, Kraft oder Verbundenheit unterstützt. Das können positive Erinnerungen, vertraute Menschen, Orte, Tätigkeiten und persönliche Fähigkeiten sein – ebenso wie eine angenehme Körperempfindung, ein ruhiger Atemzug oder das bewusste Wahrnehmen der Umgebung.

In Somatic Experiencing® dienen Ressourcen nicht dazu, Belastendes zu vermeiden. Sie bilden einen stabilen Boden, von dem aus sich schwierige Empfindungen und Reaktionen in kleinen, bewältigbaren Schritten annähern lassen. Indem Ressourcen wahrgenommen, gestärkt und im Körper verankert werden, kann das Nervensystem mehr Sicherheit und Regulationsfähigkeit entwickeln.

Unser Nervensystem ist darauf angelegt, sich flexibel zwischen Aktivierung und Ruhe zu bewegen. Peter Levine beschreibt diese natürliche Beweglichkeit mit dem Bild eines Lebensflusses. Nach einer überwältigenden Erfahrung kann ein Teil der Lebensenergie im sogenannten Traumawirbel gebunden bleiben und das Nervensystem immer wieder aus diesem natürlichen Fluss ziehen.

Dem Traumawirbel steht der Gegenwirbel der Ressourcen gegenüber. In Somatic Experiencing wenden wir uns deshalb nicht unmittelbar der stärksten Belastung zu, sondern stärken zunächst das, was Sicherheit, Stabilität und Orientierung unterstützt. Die schrittweise Bewegung zwischen Aktivierung und Ressource wird als Pendulation bezeichnet. So kann das Nervensystem mit der Zeit wieder mehr Flexibilität entwickeln.

Lebensfluss-Modell nach Peter Levine

Lebensflussmodell, Somatic Experiencing

Mehr zum Lebensfluss-Modell im Blog

Somatic Experiencing® zielt nicht darauf ab, Aktivierung oder Stress vollständig zu vermeiden. Es geht darum, dass das Nervensystem wieder mehr Spielraum gewinnt: sich aktivieren zu können, ohne überwältigt zu werden, und anschließend wieder in Ruhe, Präsenz und Verbindung zurückzufinden.

SICHERHEIT UND STABILITÄT BILDEN DIE GRUNDLAGE FÜR VERÄNDERUNG.

Für wen ist die Methode geeignet?

Somatic Experiencing® kann passend sein, wenn du …

  • nach Belastungen nur schwer wieder zur Ruhe findest.
  • merkst, dass überwältigende Erfahrungen in deinem Körper weiterwirken.
  • deine Regulationsfähigkeit und Resilienz erweitern möchtest.
  • als KünstlerIn mit Aufregung, intensiven Emotionen oder dem Wechsel zwischen Rolle, Bühne und Alltag bewusster umgehen möchtest.

Ob Somatic Experiencing® im Vordergrund steht oder mit anderen Ansätzen verbunden wird, richtet sich danach, was im gemeinsamen Prozess hilfreich ist.

Somatic Experiencing® und NARM®

Somatic Experiencing® eignet sich besonders für die Arbeit mit Schocktrauma und den körperlichen Folgen überwältigender Ereignisse. Wenn frühe Beziehungserfahrungen und Entwicklungstrauma im Vordergrund stehen, arbeite ich bevorzugt mit NARM®. Dieser Ansatz bezieht neben der Regulation des Nervensystems auch frühe Anpassungen, das Selbstbild und wiederkehrende Beziehungsmuster gezielt mit ein.

Schocktrauma und Entwicklungstrauma lassen sich allerdings nicht immer klar voneinander trennen und können sich gegenseitig verstärken. Mehr über Schocktrauma, Entwicklungstrauma und möglichen Folgen erfährst du auf der Trauma-Seite.

Somatic Experiencing® – Begleitung in Wien & online

Als Somatic Experiencing® Practitioner begleite ich Erwachsene dabei, anhaltende Reaktionen von Körper und Nervensystem nach Trauma oder anderen überwältigenden Erfahrungen zu regulieren.

Somatic Experiencing® kann dabei im Mittelpunkt der Begleitung stehen oder – abhängig von deinem Anliegen – mit anderen Ansätzen verbunden werden. Die Sitzungen finden in meiner Praxis in Wien oder online statt.